Becher, Tassen, Schalen und Schüsseln: Jeden Tag haben wir Keramik und Porzellan in der Hand. Eigentlich also nichts Besonderes – oder doch? Manche Stücke fassen sich einfach besser an als Andere, wirken wertiger und sind mit schönen Erinnerungen verbunden. In Deutschland ist handgefertigtes Geschirr kaum mehr verbreitet. Ikea & Co dominieren mit ihrer Massenware die Wohnzimmer und Küchen. Und nicht nur die, selbst Restaurants haben oft liebloses Geschirr. Seit einem Portugalbesuch vor einigen Jahren wurde uns die Schönheit und Wertigkeit von handgefertigten Unikaten wieder bewusst. Dort ist es ganz normal, handgefertigte Gebrauchskeramik (= Geschirr) zu verwenden. Einige Aufenthalte und überfüllte Kofferräume später hatten wir einen Teil unserer Kücheneinrichtung ausgetauscht. Das alte Geschirr, welches aus unpersönlicher Massenware bestand, hatten wir verschenkt. Wir freuen uns wirklich jedes Mal, wenn wir für unseren Guayusa Tee die persönliche Lieblingsschale aus dem Schrank holen. Jede Schale hat ihren besonderen Charakter. Und das spürt man auch. Bei jeder einzelnen Teezeremonie.

Handgemachte Keramik lässt uns den Alltag auf besondere Art genießen. Und sie kann noch mehr, denn sie ist deutlich nachhaltiger als industrielle Ware.

nachhaltigkeit

Doch was bedeutet Nachhaltigkeit überhaupt?

In den letzten Jahren ist es unverkennbar ein Modewort geworden. Oftmals findet es nur im Zusammenhang mit green washing eine Erwähnung. Eine offizielle Definition gibt es nicht, ganz zu schweigen von einem gesetzlichen Rahmen, der die Verbraucher schützen würde. Es gilt also, sich selbst zu informieren:

Sucht man nach einer Definition von Nachhaltigkeit, findet man verschiedene Beschreibungen: “Ein Handlungsprinzip, welches die Ressourcen schont und bei dauerhafter Befriedigung der Bedürfnisse die natürliche Regenerationsfähigkeit der zugrunde liegenden Systeme bewahrt.” Früher nannte man es schlicht “wirtschaftliches Handeln”, bisweilen fiel auch die Formulierung des enkelgerechten Handelns. Damit ist klar, dass es nicht nur eine Sache des Umweltschutzes und der Ressourcenschonung hinsichtlich des Materialverbrauchs ist. Die Definitionsvielfalt die derzeit noch herrscht macht es trotzdem schwierig, den Begriff der Nachhaltigkeit wirklich zu greifen. Am Beispiel unserer Freunde vom Keramik Kartell starten wir einen Versuch:

Regionale Rohstoffe – regional verarbeitet – kurze Wege

Viele Dinge werden heute nicht mehr in Deutschland hergestellt, sondern aus anderen Ländern importiert. In manchen Fällen liegt das an den günstigeren Produktionskosten in fernen Ländern, in anderen Fällen mag das am fehlenden Know-How in Deutschland oder an mangelnden Rohstoffen liegen. Die Schwarztee-Vorkommen in Deutschland sind beispielsweise extrem überschaubar, weshalb der schmackhafte Tee importiert werden muss.

In Europa und natürlich auch in Deutschland finden sich aber – als Grundwerkstoff für Keramik – zahlreiche Tonvorkommen:

Die verschiedenen Tonerden werden in den meisten Regionen immer noch abgebaut und teilweise lokal verarbeitet. Beispielsweise finden sich in Brandenburg sogenannte Flöze – Rohstoffschichten zwischen Gesteinsschichten. Diese führten zur Entstehung der „Deutschen Tonstraße“. Denn das Töpfer-Handwerk hat hier Tradition. Kleine Werkstätten mit wenigen Mitarbeiter:innen und einzelnen Künstler:innen fertigen vor Ort mit dem Ton, der in der Gegend natürlich vorkommt. Das bedeutet: Das Rohmaterial legt nur extrem kurze Wege zurück, lange Transporte mit entsprechendem CO2-Abdruck gibt es nicht. Und das gilt nicht nur für die Beschaffung des Materials, sondern auch für den Verkauf. Denn der findet meist ebenfalls ausschließlich vor Ort statt.

Jedes Stück ein Unikat – geringe Stückzahlen – weniger Ausschuss

Handgemachte Keramik ist kostenintensiver als die Massenware aus der industriellen Fertigung. Das hat einfache Gründe: Es dauert länger, bis ein Stück gefertigt ist und die geringe Einkaufsmenge an Ton ist natürlich teurer im Vergleich zu den Mengen, die für Massenware eingekauft und von Lieferanten gehandelt werden. Ähnlich verhält es sich übrigens auch mit Guayusa Tee: Der Markt und die darin verfügbaren Mengen sind noch sehr überschaubar. Das sorgt mit den anderen Faktoren (Fair trade, Bio, etc.) für einen höheren Preis als bei herkömmlichen Teesorten.

Bleiben wir bei Keramik: sie ist auch aus diesem Grund nachhaltiger als industrielle Ware: Während es bei maschineller Fertigung viel Ausschuss gibt, der den Qualitätsansprüchen nicht genügt, fällt bei der Fertigung von Hand weniger Ausschuss an. Sollte ein Stück den sogenannten Schrühbrand, also den ersten, groben Brand vor der farbigen Gestaltung und dem Oberflächenfinish, nicht überleben, wandert das Material auch nicht gleich in den Abfall. Es wird zerkleinert und als Schamott in frischem Ton verwendet. Denn auch das ist ein Vorteil, der handgemachte Keramik auszeichnet:

keramik

Es gibt keine großen Auflagen gleicher Teile, sondern jedes Stück ist ein Unikat. Von Hand gefertigt bedeutet, dass die Unterschiede augenscheinlich sind. Handgemachte Keramik ist daher unabhängig von modischen Erscheinungen. Kaum ein Stück landet vor dem Kauf im Abfall, weil es aus der Mode wäre. So etwas wie Frühjahrskollektion und Herbstkollektion, die neuen Farben des Winters oder die speziellen Formen des Sommers kennt handgemachte Keramik nur in sehr eingeschränktem Maße. Auch das verhindert, dass Keramik zu Abfall wird: Jedes Stück wird verkauft, es gibt keine Ladenhüter.

Und weil jedes Stück von Hand gefertigt wird, stellt es auch jedes Mal ein ganz besonderes Highlight dar: Handgemachte Keramik ist immer eine Herzensangelegenheit. Die Unikate sprechen, man kauft nicht einfach ein Service Tassen als Hochzeitsgeschenk oder einen Satz Teller, weil das alte Geschirr eben schon so alt aussieht. Handgemachte Keramik wird meist in Einzelstücken erworben, die wegen ihrer jeweils ganz besonderen Ausstrahlung hervorstechen.

Handwerk ist Kunst – handgemachte Keramik der Wunsch, sich im Alltag mit Ästhetik zu umgeben – und Kunst hält eben länger als Standard-Gebrauchsgegenstände

Handgemachte Keramik unterscheidet sich optisch deutlich von industriell gefertigter Ware. Formensprache, Farben, Oberflächen, Strukturen – alles steht in der Tradition eines Handwerks, das sich über Jahrtausende an verschiedenen Orten der Welt entwickelt hat. Die Tendenzen, Formen und Farben haben sich immer wieder neu erfunden – heute steht uns ein unglaublich großes Repertoire an Ausdruck in der Keramik zur Verfügung. Die richtige Form zu finden, die Farben passend dazu zu wählen und damit einen Gebrauchsgegenstand in ein Meisterwerk zu verwandeln – das ist Kunst. Handgemachte Keramik trägt dazu bei, ästhetische Traditionen im Alltag zu leben und zu erleben.

Übrigens hält handgemachte Keramik auch länger als andere Keramik. Die meisten Stücke werden einmal im Leben gekauft und mit so viel Achtung behandelt, dass sie Generationen überdauern.

Handwerkliche Betriebe wirtschaften fast immer nachhaltig. Kleine Brennöfen werden nur eingeschaltet, wenn sie wirklich voll sind. Strom wird von ökologischen Anbietern bezogen, wenn nicht sogar von der eigenen Solaranlage auf dem Dach, möglicherweise sogar aus lokaler und regionaler Produktion. Damit halten sich die Transportverluste in Grenzen – wie bei der vor Ort verkauften Keramik ebenfalls.

Zusammengefasst: Darum ist handgemachte Keramik umweltfreundlich!

  • es gibt sie nur in kleinen Auflagen – da landet kein Produktionsüberschuss im Abfall
  • sie besteht aus regionalen Tonen: kurze Wege vom Rohmaterial bis zum fertigem Produkt
  • Energieschonende Herstellung, da kleine Betriebe oft Öko-Strom verwenden
  • längere Haltbarkeit gegenüber Massenware durch bessere Rohstoffe und schonendere Verarbeitung

Mehr als Küchengeschirr: Handgemachte Keramik für alle Bereiche des täglichen Lebens

Dass der Becher und Tassen aus Keramik umweltfreundlicher sind als der Papp-(oder noch schlimmer: Plastik-) Becher beim Coffee-to-go ist den meisten Menschen bewusst. Keramik spielt aber auch in anderen Bereichen als der Küche eine Rolle. Zahnputzbecher, Seifenschalen und Fließen für die Raumfahrt werden daraus gefertigt. Schlüsselbretter, Türschilder, Blumentöpfe und Aschenbecher bestehen aus Keramik. Handgemachte Keramik findet sich in Form von dekorativer Kunst in vielen Gärten und auf Balkonen.

So sehr unterscheiden sich die verschiedenen Punkte in Sachen Nachhaltigkeit nicht, wenn man an andere handgemachte Produkte denkt. Handverlesene Tees (auch unser Guayusa wird von Hand geerntet und schonend weiter verarbeitet) schmecken aus handgemachten Teeschalen einfach besser als aus einer 1 € Tasse! Das Keramik Kartell ist eine kleine Manufaktur in Berlin. Die Kartellanhänger, allesamt Tonliebhaber fertigen ihre liebevoll gestalteten Keramiken unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit nahezu in Perfektion. Der Ton als Grundstoff stammt aus der Grube “von neben an“ und für die japanischen Raku-Brände werden ausschließlich nachwachsende Rohstoffe genutzt.

Schau gerne mal bei unseren Freunden vom Keramik Kartell vorbei!

Mit den dort erhältlichen Unikaten schmeckt auch unser Guayusa nochmal besser! 🙂

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